Sammlung M. Ballerstedt (Unter-Kreide: Invertebraten und Vertebraten)

GZG.BA – 1.500 Objekte

Geschichte
Die paläontologische Sammlung des 1614 als Lateinschule gegründeten, späteren Gymnasiums Adolfinum in Bückeburg, lässt sich bis zur „Conchylien- und Petrefaktensammlung“ des „Fürstlichen Naturalienkabinetts“ zurückverfolgen, welches von Georg Wilhelm Fürst zu Schaumburg-Lippe (1784-1860) gegründet worden ist.
Als „Naturwissenschaftliche Sammlung des Gymnasiums“ wurde sie von Lehrkräften betreut und erlebte unter dem Direktor Professor Dr. F. W. Burchard zwischen 1840-1875 eine erste Blütezeit. In diese Zeit fielen auch erste Aufsehen erregende Funde von fossilen Krokodilen und Dinosauriern aus der Umgebung Bückeburgs, die vom Pionier der deutschen Wirbeltierpaläontologie, Hermann von Meyer (1801-1869), in der Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieben wurden und noch heute in der Sammlung erhalten sind. Nach dem Ausscheiden Burchards wurden die Sammlungen fast ein Vierteljahrhundert wenig erweitert. Erst Max Ballerstedt (1857-1945) übernahm wieder die Initiative, nachdem er 1900 mit der Betreuung der naturwissenschaftlichen Sammlungen des Adolfinums beauftragt wurde. Unermüdlich sammelte er vor allem in den zahllosen Steinbrüchen in der Umgebung seiner Heimatstadt (Harrl und Bückeberg) und fand dort zahlreich fossile Krokodile, Schildkröten sowie Dinosaurierfährten. Ballerstedts Leistung war beeindruckend: Seine Sammlung enthält mehr als 1500 Objekte aus dem ‘Wealden’. Hinzu kommen viele Stücke aus dem Mesozoikum des Wiehengebirges, sowie eiszeitliche Säugetiere aus Kiesgruben nördlich von Minden, mit teilweise besonders wertvollen Stücken, wie z. B. dem Moschusochsen (Ovibos moschatus).
Den größten Teil seiner Sammlung lagerte Ballerstedt von Anfang an im Gymnasium; darüber hinaus war seine eigene Wohnung voll mit Funden. 1906 übergab er seine Sammlung zuerst für die Dauer von 30 Jahren an das Fürstlich Schaumburg-Lippische Ministerium. Im Jahre 1940 schenkte er seine Sammlung inkl. seiner Bibliothek der Schaumburg-Lippeschen Landesregierung und gab sie in die Obhut des Adolfinums.
Nach einer wechselvollen Geschichte in den Nachkriegsjahren und dem Tod des langjährigen Betreuers Dr. H. Bernhards (1971) wurde über den weiteren Verbleib und die Betreuung der Sammlung mit Hannover und Göttingen diskutiert.
1976 wurde diese in die Obhut des Geowissenschaftlichen Zentrums der Universität Göttingen, vertreten durch das Land Niedersachsen, übergeben. Etwas später wurden auch andere Teile der ehemaligen naturwissenschaftlichen Sammlungen des Adolfinums in andere niedersächsische Institutionen und Museen gegeben, wie z. B. das Herbarium (Hannover) und die Molluskensammlung (Braunschweig). Eine kleinere geowissenschaftliche Ausstellungs- und Übungssammlung befindet sich noch heute im Adolfinum Bückeburg und wird für die Gymnasialausbildung genutzt. Max Ballerstedt als Person Maximilian Magnus Wilhelm Carl Ballerstedt wurde am 20. Juni 1857 als Sohn des Hofpredigers Andreas Christian Carl Ballerstedt (1812-1881) in Bückeburg geboren. Seine Kindheit verbrachte er in dem Städtchen und besuchte dort auch das Gymnasium an dem er Jahrzehnte später selbst als Lehrer arbeiten sollte, das zukünftige Adolfinum. Nach einem Studium der Mathematik und Naturwissenschaften in Marburg und Berlin begann Ballerstedt seine berufliche Laufbahn am 29. September 1883 am Gymnasium Bückeburg als Hilfslehrer. Nach kurzen Zwischenstationen in Herford und Gollnow/Pommern übernahm Ballerstedt am 01. Oktober 1898 seine endgültige Position als Oberlehrer am Gymnasium Bückeburg. Ab 1900 betreute er die dortigen naturwissenschaftlichen Sammlungen. Anlässlich der Silberhochzeit von Fürst Stephan Albrecht Georg zu Schaumburg-Lippe wurde ihm 1907 der Professorentitel verliehen. Er litt jedoch an zunehmender Schwerhörigkeit und wurde deshalb an Ostern 1912 in den Ruhestand entlassen.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er jedoch bereits beträchtliche Verdienste um die Mehrung der Naturwissenschaftlichen Sammlung des Gymnasiums erworben, so dass ihn die Regierung des Freistaats Schaumburg-Lippe offiziell beauftragte, sich auch weiterhin darum zu kümmern. Seine Aktivitäten als Sammler und Paläontologe kamen vor allem nach seiner Pensionierung zu voller Entfaltung.

Max Ballerstedt blieb zeitlebens Junggeselle. Nach einem erfüllten mehr als 30jährigen Pensionärsdasein starb er am 07. Dezember 1945 in Bückeburg.
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