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Universität Göttingen

"Edles aus Sibirien"
Baron von Asch und seine geowissenschaftlichen Sammlungen

24. Juni bis 31. Dezember 2007, verlängert bis zum 31. Mai 2008

Eroberung und Erforschung Sibiriens

Der Zugang zu Sibirien durch Handel, Eroberung und Kolonisation

Die ersten Handelsbeziehungen nach Sibirien gab es schon im 14. Jh., vor allem bestimmt durch den Pelzhandel. Die weitere Erschliessung Sibiriens begann erst in der zweiten Hälfte des 16. Jh., nachdem durch Zar Iwan IV. 1552 das Kasaner Reich erobert wurde. Mit Hilfe der russischen Kaufmannsfamilie Stroganow und der Kosaken unter ihrem Führer Jermak gelang es die Tataren zu besiegen, die auf dem Weg nach Sibirien lange Zeit ein Hindernis waren.
Aufgrund der zahlreichen schiffbaren Flüsse in Sibirien lagen die ersten Festungen und befestigten Siedlungen naturgemäß an solchen Schnittpunkten, die als Aus gangspunkte der weiteren Kolonisaton, zuerst von Westsibirien, dienten.

Ein erstes Zentrum war Tobolsk (1587 errichtet); weitere Gründungen um 1600 waren u. a. Tara (1594), Tomsk (1604) und Kusnezk (1618). Mit dem beginnenden 18. Jh. wurde auch das südliche Sibirien erschlossen – Städte wie Omsk (1716) und Semipaltinsk (1718) wurden gegründet. War diese erste Erschliessung haupt sächlich militärisch-politisch ausgerichtet, so blieb dennoch der Bedarf an Versorgung von Militär und Verwaltungs-
apparat durch Landwirtschaft nicht aus. Aufgrund der langen Versorgungswege wurde eine Ansiedlung von Bauern nötig.
Diese Bauernkolonisation in das westliche und südliche Sibirien verstärkte sich im 17. Jh.. Geschah dies zuerst noch durch Zwang (bis 1630), so gab es später durch freiwilliges Übersiedeln mit Privilegien wesentlich bessere Motivationen. Auch wurde der “Ferne Osten” ab dem späten 16. Jh. als „Gefängnis“ bzw. Verbannungsort genutzt, was ebenfalls der Erschließung diente.

Im 18. Jh. entstand weiterer Bedarf für Arbeiter in den sibirischen Silberberg-werken, so dass 1760 ein Zarenerlass dafür sorgte, dass Gutsbesitzer Leibeigene nach Sibirien schickten. Jedoch aufgrund oft schlechter Planung verbunden mit vielen Todesfällen wurde dies bald aufgegeben. Ausgebaut wurde stattdessen das Mittel der Verbannung – entscheidend für die Kolonisation Ost- Sibiriens. Bis in das 19. Jh. verlagerte sich die Bevölkerung Sibiriens mehr in den Süden, da die dortigen Gebiete besser erschlossen und für den Ackerbau wie auch das Transportwesen besser geeignet waren als die nördlicheren Gebiete, die mehr von der Pelzjagd und dem Pelzhandel geprägt waren.

Die Anfänge – Die Expeditionen Messerschmidts und die Erste Bering-Expedition

Erst mit Zar Peter I. dem Großen (1672-1725), der 1724 die Akademie der Wissen-schaften in St. Petersburg einrichtete, wurde eine unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten geführte Erschliessung Russlands möglich. Zwar erlebte der Kaiser des Russischen Imperiums die Großen Expeditionen aufgrund seines frühen Todes nicht mehr, aber seine programmatische Ausrichtung auf Europa, auch in wissenschaftlichen Fragen, sollte in den folgenden Jahrzehnten einen grossen Erkenntnisgewinn insbesondere über Sibirien in den verschieden-
sten Bereichen mit sich bringen.

Den Auftakt bildeten die noch durch Peter I. initiierten Reisen des deutschen Mediziners Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685-1735), der zwischen 1720 und 1727 Reisen nach West und Zentralsibirien bereiste. Dabei wurden Forschungen in den Bereichen Völkerkunde, Wirtschaft, Sprachwissenschaft, Zoologie, Botanik, Geographie und Mineralogie durchgeführt. Die Ergebnisse reichten jedoch nicht aus, insbesondere Ostsibirien wurde nicht bereist und die Frage einer Landverbindung nach Amerika war noch unklar, so dass eine weitere Expedition zunächst nachweisen sollte, ob es diese gibt oder nicht.

Der Däne Vitus Jonassen Bering (1680-1741) der unter Peter I. Karriere in der russischen Flotte machte, bekam 1725 den Auftrag zu dieser Ersten Russischen Kamtschatka-Expedition. 1728 brach Bering von Kamtschatka auf, um das Nordpolarmeer zu erforschen. Eine Landverbindung fand er dabei nicht. Er konnte aber die Nichtexistenz der Land-verbindung nicht endgültig beweisen, da er die Expedition aufgrund der Wetterverhältnisse abbrechen musste.

Durch diesen Umstand wurde eine zweite Expedition nötig, die diese Frage klären sollte, aber auch einen Seeweg nach Japan finden sollte sowie Erkundungen der amerikanischen Küste einbeziehen sollte.

Die Zweite Kamtschatka-Expedition Berings 1733-1743

Der Bedarf an einer Zweiten Kamtschatka-Expedition wurde schnell erkannt. Bering bekam wiederum das Kommando, starb aber selbst 1742 auf der nach ihm benannten Bering-Insel kurz vor Beendigung der Expedition. Hauptziele dieser Expedition waren u. a. (1) die Bestätigung, daß es keine Landverbindung nach Amerika gibt, (2) die Erkundung eines Seeweges nach Japan sowie (3) der Nachweis einer Nordost-Passage durch das Polarmeer. Insgesamt war der Aufwand für die damalige Zeit immens; mehr als 3000 Menschen waren an den Vorbereitungen und der Durchführung dieser Expedition beteiligt. Als teilnehmende
Forscher wurden bevorzugt europäische Wissenschaftler berufen, wie u. a. Johann Georg Gmelin (1709-1755), Gerhard Friedrich Müller (1705-1783), Johann Eberhard Fischer (1697-1776), Georg Wilhelm Steller (1709-1746) und Louis De l’Isle de la Croyère (1690-1741).

Drei verschiedenen Teilgruppen wurden gebildet, wobei sich eine Gruppe auf dem Landweg nach Kamtschatka begab. Zwei weitere Seegruppen, erkundeten zum einen von Westen kommend das nördliche Polarmeer, sowie von Kamtschatka aus weiter den Norden bis nach Amerika.

Der wissenschaftliche Ertrag überstieg allerdings die Zielsetzungen bei weitem, weshalb diese Expedition auch als Große Nordische Expedition bezeichnet wird. Etliche Publikationen, wie Reiseberichte, aber auch völkerkundliche, linguistische und naturkundliche Studien erschienen als Ergebnisse dieser Expedition. Viele diese davon erschienen in deutscher Sprache auch in Göttingen.


uebersichtKarte 2

Eroberung und Erforschung Sibiriens

Karte “The Russian Discoveries”.
Eine englische Übertragung der 1754 von der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften herausgegebene Karte “Nouvelle Carte des Découvertes faites par des Vaisseaux Russiens”. Original: 46 x 61 cm Angefertigt vom Londoner Kartographen Thomas Jefferys (1719-1771); posthum publiziert 1776.

 

 

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Karte der Ersten Bering-Expedition. [“Diese Karte wurde während der sibirischen Expedition unter dem Kommando des Flottenkapitäns Bering von Tobolsk bis zum Tschuchotskischen Bogen verfasst”] Russland ca. 1729, Aquarellierte Federzeichnung, Original: 59,5 x 137 cm
Handgezeichnet vom Marineoffizier Petr Čaplin (†1765). Ursprünglich als Geheimkarte gedacht, geriet v. Asch in den Besitz der Karte und sandte sie 1777 nach Göttingen. [Handschriftenabt. SUB Göttingen, Cod. Ms Asch 246]

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Gediegenes (elementares) Kupfer – Cu
Kupferinsel [Mednyj ostrow], Kommandeur-Inseln, 200 km östlich
Kamtschatka, Russland

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Kieselsinter (auch Opalsinter genannt), speziell an Geysiren abgelagerte Kieselsinter wird als Geyserit bezeichnet
1796, Kamtschatka, Russland

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